Etappe 6: Durchs Oderbruch nach Hohensaaten (91 Kilometer)

Auf dem Weg von Frankfurt (Oder) nach Lebus ist so manche Steigung zu überwinden. Steil ragen die Oderhänge auf und bieten fantastische Ausblicke über das Odertal. Fast kann man die mächtigen Gletscherströme die einst das Tal formten noch rauschen hören.. Die exponierte Lage der steppenartigen Hänge bietet vielen außergewöhnlichen Tier- und Pflanzenarten Heimat. Nirgendwo sonst in Deutschland blühen im Frühjahr so viele der seltenen gelben Adonisröschen. Die Stadt Lebus und das umliegende Lebuser Land verdanken ihren Namen dem slawischen Stamm der Leubuzzi, die im 8. Und 9. Jahrhundert hier siedelten. Küstrin Kietz ist ein eher unspektakulärer Ort. Die Reste einer der einst modernsten brandenburgisch-preußischen Festungen und andere steinerne Zeugnisse der Geschichte liegen  am anderen Ufer im polnischen Kostryn. Auch das polnische Vogelparadies Nationalpark Warthemündung lohnt einen Besuch.

Das unter dem Oderspiegel gelegene Oderbruch (das mittelhochdeutsche  Wort „brouch“ bedeutete Sumpf oder Moor) erstreckt sich von Lebus im Süden bis Oderberg und Bad Freienwalde im Norden. Ehedem wurde es regelmäßig von der Oder überflutet. Zur Versorgung Berlins mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen ließ Friedrich II die Landschaft von Siedlern aus Böhmen, Österreich und der französischen Pfalz trockenlegen. Es entstanden mehr als 50 der für die Region typischen Kolonistendörfer wie Neulietzegöricke und Neulewin. Heute ist das Oderbruch mit seiner endlosen Weite bei Künstlern und Aussteigern beliebt, die den alten Dörfern neues Leben einhauchen. Eine aktive Kulturszene mit Galerien, kunstvollen Gärten und dem überregional bekannten Theater am Rand entwickelte sich. Bevor es weitergeht Richtung Nationalpark lohnt ein Abstecher zu Europas größtem Schiffs-Fahrstuhl in Niederfinow.